Advent – wann kommt der Wellerman?

Blick auf Meer
Bild: pixabay.com, Heinz_Hofmann_Photography

Irgendwie bin ich grad sehr adventlich gestimmt – und das mitten in der Fastenzeit. Ich finde das nicht schlimm, sondern fühl mich eher in meiner Überzeugung bestätigt, dass unsere kirchlichen Feiertage und Festkreise zwar Abbild unseres Lebens sind – aber datumsmäßig nicht unbedingt immer mit dem eigenen Lebensgefühl übereinstimmen müssen.

Advent – das steht für mich für Sehnsucht, Hoffnung, Vision: O Heiland, reiß die Himmel auf!  Tauet, Himmel, den Gerechten! Der Wolf findet Schutz beim Lamm, aus dem Baumstumpf bricht ein Trieb hervor! Und ich glaube, genau das beschreibt die Stimmung der Menschen derzeit sehr treffend: Wann endlich sind wir durch mit Corona? Wann endlich bekomme ich einen Impf-Termin? Wann endlich muss man nicht mehr auf Inzidenzwerte Rücksicht nehmen? Wann endlich wieder Gottesdienste ohne FFP2-Masken? Wann endlich?

Und in diese Stimmung kommt ein altes Lied und erobert sozusagen über Nacht die Charts weltweit: Soon may the wellerman come! Es ist ein Shanty, das auf den Walfängerschiffen vor Neuseeland im 19. Jahrhundert gesungen wurde. Damals war der Walfang kein reines Abschlachten der Tiere, wie es die moderne Technik später möglich machte, sondern ein Kampf zwischen Mensch und Tier, bei dem nicht selten Menschen ums Leben kamen und der Wal Sieger blieb. Sehr eindrücklich erzählt Herman Melville in seinem Roman „Moby Dick“ davon.

Die Walfänger waren monatelang auf See … Wale mussten ja erst einmal gefunden werden. Und sie zu erlegen, war auch keine einfache Sache und konnte Tage dauern – man musste erahnen, wo der Wal eventuell auftauchen würde und dann gut mit der Harpune treffen. Und wenn man Pech hatte, dann zog der Wal das Boot mit sich und manchmal auch in die Tiefe des Meeres, wenn man die Leine nicht rechtzeitig kappte.

Über die Autorin

Andrea Schwarz ist Schriftstellerin, war lange Jahre pastorale Mitarbeiterin im Bistum Osnabrück und lebt im Emsland. Sie ist eine genaue und sensible Beobachterin ihrer Umwelt und der Menschen, denen sie begegnet. In ihren Texten versucht sie, Gott mitten im Alltag zu entdecken und Lust aufs Leben zu machen – nun erstmals auch in Form von Blogbeiträgen!

Sehnsüchtig wurden deshalb die entsprechenden Versorgungsschiffe erwartet, die unter anderem Zucker, Tee und Rum brachten, und nach ihren Besitzern, den Gebrüdern Weller, „Wellerman“ hießen. Aber noch größer war die Sehnsucht danach, seine Sachen packen und gehen zu können, wenn erst der Job getan ist.

Und genau damit sind wir in der aktuellen Corona-Stimmung! Wir sitzen alle im gleichen Boot, keiner kann sich der Situation entziehen, jeder ist gefragt, mit Hand anzulegen und Verantwortung zu übernehmen. Und es ist grad nicht so entscheidend, ob wir noch Lust dazu haben oder nicht – danach fragt das Virus nicht. Und wir warten auf das „Versorgungsschiff“ mit Impfstoffen und Selbsttests, das hoffentlich irgendwann mal kommen wird – und darauf, dass wir endlich unsere Sachen packen und gehen können, wenn der Job vorbei ist.

Nathan Evans, ein 26jähriger Postbote aus Schottland, stellte dieses Lied erst vor wenigen Wochen ins Netz. Inzwischen wurde es weltweit über 15 Millionen mal angeklickt – und per Video gibt es Zehntausende, die ihre Stimme mit einbringen. Es scheint eine Grundstimmung zu treffen: „One day we’ll take our leave and go“. Nathan Evans hat inzwischen einen Plattenvertrag, konnte seinen Job kündigen und erfüllt sich seinen Traum, Musik zu machen. Aber in einem Interview sagte er schon: „Ein wenig vermiss ich es, an der frischen Luft unterwegs zu sein!“

Auch wir werden eines Tages die Pandemie hinter uns haben – und es kann durchaus sein, dass wir dann auch das eine oder andere vermissen werden.

Bis dahin müssen wir eben noch ein wenig adventlich leben, Prinzip Hoffnung: „Soon may the wellerman come“.

Immerhin – nicht karfreitäglich!!!

Santiano, die Shanty-Rock-Gruppe, und Nathan Evans haben eine gemeinsame Fassung des Liedes als Video ins Netz gestellt. Alle Einnahmen aus der Vermarktung des Liedes von Santiano gehen an die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd:

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