Corona und die Angst

Corona und die Angst

„Warum habt ihr solche Angst?“ Mich lässt das Evangelium nicht los, das Papst Franziskus beim außerordentlichen Segen auf dem menschenverlassenen Petersplatz am 27. März ausgelegt hat. „Warum habt ihr solche Angst?“, fragt Jesus seine Jünger. Im Sturm auf hoher See fürchten sie um ihr Leben. Sie sitzen gemeinsam in einem Boot, das zu sinken beginnt. Jesus schläft und muss erst geweckt werden. Dann stellt er diese Frage und besänftigt das Unwetter.

Auf unsere Krise gemünzt: Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich klar, warum wir derzeit solche Angst haben. „Hey, lieber Gott“, möchte ich rufen, „weil ein Virus sein Unwesen treibt! Weil wir dagegen medizinisch noch nicht ankommen! Weil so viele Menschen schwer krank sind und sterben! Weil so viele bis zur Erschöpfung arbeiten und doch nicht alle retten können! Weil so viele um ihre wirtschaftliche Existenz bangen! Weil keiner weiß, wie es weitergeht! Weil …“, meine Liste ist lang.

Über die Autorin

Martina Kreidler-Kos ist zuständig für die Ehe- und Familienseelsorge. Natürlich liegen ihr diese Themen besonders am Herzen – aber nicht nur. Sie hat im Alltag ein wachsames Auge. Denn dort trifft sie auf große Dinge oder nur scheinbar kleine Nebensächlichkeiten.

Ich verstehe derzeit vieles nicht, aber an etwas halte ich mich fest: Man kann in Jesu Nähe sein und trotzdem Angst haben. Wenn selbst die, die ganz dicht bei ihm sind, sich nicht in frommer Sicherheit zurücklehnen und sagen: „Da wird schon nichts passieren, Jesus ist ja da!“, dann dürfen auch wir als Glaubende die Angst haben, die wir jetzt haben. Und mir fällt ein: Jesus selbst hat Angst gehabt. Im Garten Getsemani, an Gründonnerstag. Und noch am Kreuz. Da schreit er: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Sogar für ihn war nicht immer alles gut und leicht und mit Gottvertrauen sofort zu bewältigen.

In seiner Predigt zum Palmsonntag hat unser Bischof gesagt, dass die beiden Fragen, „Warum?“ und „Wie lange noch?“ die „meist herausgeschrienen Fragen“ des biblischen Gebetbuches der Psalmen sind. Das tröstet mich. Und deshalb schreie ich sie mit.

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