11 Dinge, die Sie über Karneval wissen sollten

Garde bei Karnevalsumzug
Bild: pixabay.com, domeckopol

Okay, das Bistum Osnabrück ist vielleicht nicht die Hochburg des Karnevals und des fastnachtlichen Treibens. Dennoch sollte auch ein Katholik in unserem Bistum ein paar Dinge über die fünfte Jahreszeit wissen. Diese elf Punkte auf jeden Fall.

1. Dem volkstümlichen Treiben liegt eine enge Verbindung mit dem Ablauf des Kirchenjahres und speziell mit der christlichen Bußpraxis zugrunde: Es ist eine längere Zeit gesteigerten Lebensgenusses vor der katholischen Fastenzeit. Dem Lateinisch-Italienischen „carne vale“, was in etwa „Fleisch, lebe wohl“ bedeutet, entstammt vermutlich die Bezeichnung „Karneval“.

2. Nicht nur Fleisch zu essen, auch der Fleischeslust nachzugehen, war früher in der Fastenzeit streng verboten. Enthaltsam ging es deshalb in der Zeit davor selten zu. Um nicht zu sündigen, waren die Tage vor Aschermittwoch bei jungen Paaren ein beliebter Hochzeitstermin.

3. Die Ausschweifungen des Karnevaltreibens zeigen sich auch bildlich im Aussehen des Narren: die Narrenkappe ist nämlich geformt wie ein Hahnenkamm. Der Hahn versinnbildlichte in der frühen Neuzeit als symbolisches Motiv nichts anderes als Geilheit, und damit die Todsünde der Wollust.

4. Biblisch hergeleitet werden die Schellen des Narren: „Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich wie ein klingendes Erz und eine tönende Schelle“, steht im ersten Korintherbrief. Dem Narr fehlen aber die Gottes- und Nächstenliebe, er denkt nur an seinen Spaß. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil war nach der Leseordnung genau diese Stelle am Fastnachtssonntag vorgeschrieben.

5. „Der Karneval ist vorbei“ soll Papst Franziskus gesagt haben, am Abend seiner Wahl. Er  wollte die prunkvollen Machtinsignien eines Papstes – roter Samtumhang, brokatbesetzte Stola, goldenes Kreuz – nicht anlegen und trat statt dessen in schlichtem Weiß auf den Balkon, um die wartenden Massen zu segnen und ihren Segen zu erbitten. Ein Spielverderber ist er aber ganz und gar nicht! Die Freude ist für ihn einer der wesentlichen Bestandteile des Glaubens. Über Twitter ließ er kürzlich verlauten: „Eine Kirche ohne Freude kann man sich nicht vorstellen. Die Freude der Kirche besteht darin, allen den Namen Jesu zu verkünden.“ Und auch sein erstes großes Apostolisches Schreiben als Papst heißt sicher nicht umsonst Freude des Evangeliums.

6. Im Februar finden in zahlreichen Kirchengemeinden des Bistums Osnabrück Karnevalssitzungen und -veranstaltungen statt, organisiert beispielsweise von kirchlichen Verbänden wie Kolping und Frauengemeinschaften. In Schüttorf in der Grafschaft Bentheim gibt es den einzigen „Katholischen Karnevalsverein“ im Bistum Osnabrück. 1947 wurde er nach einer spontanen Karnevalsfeier der katholischen Jugend gegründet und ist seitdem Teil der Pfarrgemeinde.

Clown, Bild: fotolia.de, Dan Race
Kinder kriegen das meist problemlos hin mit dem Lachen – Sie auch?

7. Wissen Sie, was ein „Diaclown“ ist? Nein? Ist auch eine relativ einzigartige Erscheinung: Willibert Pauels hat zwei Berufungen: er ist katholischer Diakon und Clown. Regelmäßig tritt er bei (Karnevals-)Veranstaltungen auf. Er meint: „Lachen ist ein Fenster zum Himmel, eine Ahnung vom Paradies.“ Was das ganz konkret bedeutet, können Sie sich anschauen, wenn Sie bei youtube das Stichwort „Willibert Pauels“ eingeben …

8. Experten schätzen, dass Kinder rund 400 Mal am Tag lachen, Erwachsene dagegen nur etwa 15 Mal – dabei ist Lachen nicht nur gut für gute Laune, sondern auch für die Gesundheit: es fördert die Durchblutung, regt das Herz-Kreislauf-System an, stärkt das Immunsystem und hilft gegen Stress. Frei nach Teresa von Avila („Tu deinem Leib etwas Gutes, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“) empfehlen wir deshalb: nutzen Sie die Karnevalszeit und lachen Sie sich mal wieder so richtig schlapp!

9. Wie viele andere Kirchenoberhäupter ist Bischof Franz-Josef Bode ein ausgezeichneter Humorist: im Jahr 2010 bekam er vom „Papenburger Carnevals Verein“ den „Gerd-Bliede-Orden“ verliehen. Kardinal Karl Lehmann hat den „Orden wider den tierischen Ernst“ vom „Aachener Karnevalsverein“ bekommen, Erzbischof Robert Zollitsch wurde mit dem „Freiburger Narrenpreis“ ausgezeichnet.

10. Einen haben wir noch: Ein armer, aber sehr gläubiger Mann geht in die Kirche und betet zu Gott: „Lieber Gott, bitte mach, dass ich im Lotto gewinne!“ Es wird Mittwoch, es wird Samstag, die Ziehung der Lottozahlen, aber nichts passiert. Der Mann geht wieder in die Kirche, zündet eine Kerze an und betet: „Herr, bitte mach, dass ich im Lotto gewinne, damit meine Kinder nicht mehr hungern müssen!“ Es wird Mittwoch, es wird Samstag, die Ziehung der Lottozahlen, aber nichts passiert. Wieder geht der Mann in die Kirche, zündet eine Kerze an, kniet sich in die Kirchenbank und betet „Lieber Gott, bitte mach, dass ich im Lotto gewinne, ich brauche das Geld wirklich dringend – nicht nur für mich!“ Da wird es plötzlich gleißend hell in der Kirche und donnernd ertönt die Stimme Gottes: „Guter Mann, ich versuche ja, dir zu helfen – aber kauf dir doch bitte endlich einen Lottoschein!“

11. Dass hier elf Punkte stehen und die Narren mit der Elf so jonglieren, hat übrigens auch einen christlichen Ursprung: die Zehnzahl der göttlichen Gebote um eins überschritten, die Zwölf der Apostel nicht erreicht. Also, ein Inbegriff der Unzulänglichkeiten und Verkehrtheit der Welt, die vor der Fastenzeit aber jeder Katholik feiern darf.