Leben im Dazwischen

Straße zwischen Häusern
Bild: unsplash.com, Hans M

Alle reden derzeit davon: das neue Normal. Was soll das sein? Das alte Normal war vor Corona und das neue ist jeden Tag anderes. Also nicht normal. Wir leben in einem Dazwischen. Nicht mehr und noch nicht.

Ich muss in diesen Tagen manchmal an Beppo Straßenkehrer, aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende denken: „Immer nur an den nächsten Besenstrich denken, nur an den nächsten. Wenn man die ganze Straße in den Blick nimmt, dann gerät man aus der Puste.“ So oder ähnlich klingt die Erinnerung an den Roman meiner Kindheit. Beppo hat endlos lange Straßen zu kehren und wir haben vermutlich noch endlos viele Tage mit Corona-Einschränkungen vor uns. Viele Tage in diesem Dazwischen.

Über die Autorin

Martina Kreidler-Kos ist zuständig für die Ehe- und Familienseelsorge. Natürlich liegen ihr diese Themen besonders am Herzen – aber nicht nur. Sie hat im Alltag ein wachsames Auge. Denn dort trifft sie auf große Dinge oder nur scheinbar kleine Nebensächlichkeiten.

Die einen demonstrieren, die anderen resignieren, viele versuchen tapfer, sich irgendwie zurechtzufinden. Für alle gilt: Wir müssen dieses Dazwischen aushalten. Wegzaubern geht nicht, selbst Leugnen schafft das Virus nicht einfach so aus der Welt. Da hilft Beppos Weisheit: Stück für Stück. Geduld ist tatsächlich etwas, was man derzeit lernen kann. Im christlichen Erfahrungsschatz gilt sie als eine besondere Tugend. Der heilige Geist gilt als Geduldgeber, Gott selbst wird der Geduldige genannt. Geduld ist eine Stärke, nichts für Schwächlinge. Beppo Straßenkehrer jedenfalls ist eine riesige Stütze für die kleine Momo gewesen – in ihrem Kampf um Menschlichkeit.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.