Osnabrücker Wortschatz

Gemälde
Bild: Reinhard Klink

Am vergangenen Samstag fand in Osnabrück wieder die Kulturnacht statt, dieses Mal unter dem Oberthema: „Die Kulturnacht hat das WORT“. Auf vielfältige Art und Weise näherten sich Kunstschaffende, Galerien, Theater und Museen, aber auch die Kirchen diesem Thema: durch Bilder und Gedichte, dadurch, dass Lieblingsworte aufgeschrieben werden konnten, durch eigens gestaltete „Thesentüren“ von Schülern und Schülerinnen aus Stadt und Landkreis Osnabrück. In Anlehnung an Luthers Thesenanschlag in Wittenberg wurden etwa Forderungen nach einer gewaltfreien und umweltfreundlichen Welt auf Holztüren geschrieben und diese Türen kreativ gestaltet.

Der Osnabrücker Künstler Reinhard Klink, dessen Arbeiten ich seit Längerem schätze, hat eigens für diese Kulturnacht eine Radierung geschaffen – der Titel: „Osnabrücker Wortschatz“. Klink schreibt zu seinem Werk: „Die Kulturnacht hatte das Motto ‚Wort‘, so kam ich auf die Idee, einen Steckenpferdreiter-Hut mit einem Kreuzworträtsel zu verbinden, mit Osnabrücker geläufigen Begriffen: Frieden, Möser, Remarque, Vfl, Maiwoche; [Begriffe,] welche die Osnabrücker bewegen, und immer wieder auftauchen und auch die Osnabrücker Kultur prägen.“

Mich hat diese Radierung sehr angeregt, über die Bedeutung des Wortes für uns Menschen nachzudenken. Reinhard Klink macht für mich mit seiner Radierung deutlich, dass Worte einerseits darauf angelegt sind, allgemein gültige Bedeutung zu haben. Andererseits sprechen sie immer in einer konkreten Situation. Mit Sprachtheoretikern kann man sagen: Menschliches Sprechen zeichnet sich dadurch aus, dass hier aus endlichem Material unendlich viele Kombinationen gebildet werden können, die in den verschiedensten Situationen Welt zu erschließen helfen und Kommunikation ermöglichen. Ich finde es wunderbar, dass dabei eben auch in einer Stadt, auf dem Dorf, einer Region, einem Land und darüber hinaus Gemeinschaften von Menschen entstehen, die miteinander einen Schatz an Worten, an sprachlichen Möglichkeiten teilen.

Über den Autor

Johannes Wübbe ist Weihbischof in unserem Bistum. Auf wen er in seinem Alltag trifft und was ihn bewegt – wir werden das in seinen Blogbeiträgen verfolgen.

Für die Bibel und unseren christlichen Glauben hat in alldem letztlich Gott das Wort. Er spricht dieses Wort aber nicht an uns vorbei, das will er nicht, sondern sein Wort ist in den menschlichen Worten hörbar, erfahrbar. An Jesus aus Nazareth wird er selber zum sprechenden und hörenden Menschen. Wie das Johannesevangelium sagt: Gottes Wort wird „Fleisch“, in der Welt präsent in menschlicher Gestalt. Hier und heute nimmt Gott also das Wort durch uns. Welche Begriffe können wir Christen hier in Osnabrück mit auf den Steckenpferdreiter-Hut schreiben?

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