Systemische Grundsatzfragen

Vier Themen sind es, die in der Gruppe „Systemische Grundsatzfragen“ besonders behandelt werden: Macht, Frauen und Männer in der Kirche, Sexualität sowie Klerikalismus. Vier große Stellschrauben, die auch der „Synodale Weg“ der Deutschen Bischofskonferenz behandeln wird. Es sind Themen, die auch in vielen anderen Gremien derzeit eine Rolle spielen, die allerorten diskutiert werden und an die es große Erwartungen gibt. Transparenz, Vernetzung und Beteiligung sind der Gruppe wichtig. Sie ist sehr daran interessiert zu erfahren, welche Initiativen es in Gemeinden und Verbänden zu den Themen gibt. Mit Nachdruck setzt sie sich dafür ein, alle vorhandenen, aber auch neue Gestaltungsräume im Bistum konsequent zu nutzen. Da nicht alle Herausforderungen allein gelöst werden können, versteht sich die Gruppe auch als Impulsgeber für andere Bereiche der Kirche.

Macht ist oft negativ besetzt. Wer an der Spitze einer Organisation steht, der hat Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten, der kann aber auch seine Macht missbrauchen für eigene Zwecke. Die Gruppe möchte darauf hinwirken, dass Macht auf gute Weise ausgeübt wird. Wer Verantwortung hat in der Kirche, sei es als Gemeindeleiter, sei es in einem Leitungsgremium, der sollte fähig sein, seine Macht mit anderen zu teilen und sich selbst auch in Frage stellen zu lassen. Beispiele im Bistum sind unterschiedliche Leitungsmodelle, die sich im Begriff der „Kirche der Beteiligung“ bündeln. Dazu zählen der Einsatz pastoraler Koordinatoren, die Beauftragung von ehrenamtlichen Gemeindeteams oder die Gemeindeleitung durch Pastoral- oder Gemeindereferenten als Pfarrbeauftragte. Die Erarbeitung von Führungsgrundsätzen könnte ein Baustein in diesem Kontext sein.

Mindestens ein Drittel Frauen in den Leitungspositionen der Diözesen haben die Deutschen Bischöfe als Ziel vorgegeben. Deshalb sind Maßnahmen zur Vorbereitung auf Führungsaufgaben wie zum Beispiel Mentoringprojekte wichtig und zu verstärken. Eine Priorität sieht die Arbeitsgruppe darin, Frauen und nicht geweihte Männer mehr als bislang mit Verkündigungsaufgaben zu betrauen. Neben Glaubenszeugnissen in der Liturgie und Dialogpredigten müssen weitere Formen des Predigtdienstes geklärt und gefördert werden.

Positiv und lebensnah über Sexualität zu reden, dazu regt Papst Franziskus in seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ an. Ein dringendes Anliegen ist ihm, eine „kalte Schreibtischmoral“ hinter sich zu lassen und eine „befreiende Seelsorge“ zu verwirklichen. Die Gruppe will zu einer offeneren Sprache und mehr Sprachfähigkeit beitragen. Das Gespräch mit jungen Leuten und Menschen verschiedener Altersgruppen zu diesem Themenbereich ist dabei wichtig. Der Wunsch nach einem Dialog schließt den Kontakt zu homosexuellen Menschen und konkrete Zeichen der Öffnung seitens der Kirche ausdrücklich mit ein.

Klerikalismus entsteht immer dann, wenn ein Priester oder Diakon seine Rolle zu stark darüber definiert, dass er geweiht ist. Oder wenn Gemeindemitglieder den Priester in diese Rolle drängen. Wenn beispielsweise ein Gebetsabend in der Kirche nur als erfüllend erlebt wird, wenn auch der Pfarrer anwesend ist. Was ist notwendig für einen Mentalitätswechsel angesichts von Rollenüberhöhung, die es nicht nur bei Klerikern gibt? Wie kann Veränderung etwa durch eine konstruktive Feedbackkultur gefördert werden? Solche und weitere Fragen bearbeitet die Gruppe im Themenfeld Macht. Mit den großen Reformthemen sieht sie einen spannenden längeren Prozess vor sich.