Missbrauch in der katholischen Kirche

zwei Schirme im Regen
Bild: unsplash.com, Mike Wilson

Nachdem Ende Januar 2010 bekannt wurde, dass zwei Berliner Jesuitenpatres in den 70er- und 80er-Jahren Dutzende Jugendliche sexuell missbraucht hatten, erschütterten immer neue Vorwürfe von sexuellem Missbrauch bzw. sexualisierter Gewalt die katholische Kirche in Deutschland. Bistümer, Orden und andere kirchliche Einrichtungen erhielten in nicht geahntem Ausmaß Hinweise auf Sexualstraftaten. Betroffene, die teilweise Jahrzehnte lang geschwiegen hatten, wagten jetzt den Schritt an die Öffentlichkeit.

Mit eindringlichen Worten hat sich im Frühjahr 2010 Bischof Franz-Josef Bode an die Gläubigen im Bistum Osnabrück gewandt:

Ich bin bestürzt und sprachlos, voller Scham und Trauer über die schmerzlichen Vorgänge und Vertrauensbrüche in unserer Kirche, die bundesweit aus den letzten Jahren und Jahrzehnten ans Licht kommen. Als Bischof von Osnabrück bitte ich ausdrücklich jene Menschen um Vergebung, die in unserem Bistum durch Priester und andere kirchliche Mitarbeiter Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Jeder Missbrauchsfall ist zuviel, und das Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit muss verstärkt werden, damit diese Krise ein Läuterungsprozess werde für unsere Kirche, aber auch für unsere ganze Gesellschaft.

Im November 2010 brachte Bischof Bode die Schuld der Kirche in einem Bußgottesdienst vor Gott. Seitdem beschäftigt das Thema die Menschen im Bistum Osnabrück unaufhörlich – zuletzt beispielsweise während der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die im März 2019 im Bistum stattfand.

Im Herbst 2018 sind im Rahmen der Veröffentlichung einer bundesweiten Studie zum Thema im Bistum Osnabrück insgesamt 35 beschuldigte Geistliche und 68 Betroffene von sexuellem Missbrauch ermittelt worden. Ende 2018 gab das Bistum bekannt, dass ein inzwischen im Ruhestand lebender Priester des Bistums in seiner aktiven Zeit als Pfarrer mehrere Kinder missbraucht hat. Im Frühjahr 2019 wurden Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Präfekten des Knabenkonvikts Meppen öffentlich.

Hilfe für Betroffene

Kontakt für Betroffene

Hier finden Sie die Kontaktdaten der unabhängigen Ansprechpersonen für Betroffene von sexueller und spiritueller Gewalt im Bistum Osnabrück.

Die unabhängigen Ansprechpersonen für Missbrauchsfälle im Bistum sind die ersten Kontakte für Betroffene, die durch Kleriker oder andere Mitarbeiter im kirchlichen Dienst sexualisierte Gewalt oder geistlichen Missbrauch erfahren haben. Neben bedarfsweise therapeutischen und seelsorglichen Hilfsangeboten kann mit ihnen auch geklärt werden, ob materielle Leistungen für die Betroffenen oder für deren Angehörige in Betracht kommen.

Wesentliche Vorschriften und Regelungen

Die Deutsche Bischofskonferenz hat als Reaktion auf die Fälle von sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche in Deutschland  zentrale, vielfältige und nachhaltige Maßnahmen ergriffen, um das Thema „sexueller Missbrauch“ aktiv aufzuarbeiten und die Präventionsarbeit zu stärken. Zudem hat sie im September 2013 die überarbeiteten Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz und die Rahmenordnung Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellt.

Weitere Infos

Im Bistum Osnabrück wurde 2011 die Koordinationsstelle zur Prävention von sexuellem Missbrauch zur Unterstützung, Vernetzung und Steuerung der diözesanen Präventionsaktivitäten eingerichtet. Zum 1. Oktober 2014 trat das Bischöfliche Gesetz zur Vermeidung von sexualisierter Gewalt in kirchlichen Einrichtungen im Bistum Osnabrück (Präventionsordnung) in Kraft, welches das Gesetz zur Vermeidung von Kindeswohlgefährdungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen im Bistum Osnabrück vom 25. August 2010 fortschreibt. Zentraler Inhalt des Bischöflichen Gesetzes ist das institutionelle Schutzkonzept (ISK), das die einschlägigen Maßnahmen zum Schutz vor Grenzüberschreitung und sexualisierter Gewalt festlegt. Alle kirchlichen Einrichtungen und Institutionen im Bistum Osnabrück sind damit beauftragt, ein einrichtungsbezogenes Institutionelles Schutzkonzept zu erstellen.

Bischof Franz-Josef Bode hat im Februar 2019 zudem ein erweitertes Konzept vorgestellt, das im Bistum Osnabrück ab sofort für den Umgang mit sexualisierter Gewalt und geistlichem Missbrauch gilt. Das Konzept umfasst fünf Handlungsfelder: die Prävention, die Intervention, die Hilfe für Betroffene, den Umgang mit Beschuldigten und die Sanktionierung von Tätern sowie die Klärung systemischer Grundsatzfragen. Näheres dazu erfahren Sie hier.